Sommer, zu früh

Da hat sich etwas eingeschlichen in die Zusammenhänge und die Tagesabläufe sind ein unkoordiniertes Durcheinander von Vogelstimmen in einem Wald. Vielleicht sind es die Gedanken auch. Alles unpräzise, alles verwaschen, alles verhallt, zu leise, zu laut oder umzäunt. Nein, Zäune sind es nicht, eher unsichtbare Mauern, gegen die ich laufe. Über einen Zaun könnte ich mühelos klettern, egal ob mit aufgeschürften Händen im Endergebnis, aber ich wäre drüben. Was ist diese andere Seite? Dieses gerade Leben, in dem man immerhin die Vogelstimmen besser voneinander unterscheiden könnte.

Ständig gehe ich irgendwohin und bleibe dann allein an einer Rolltreppe oder einem U-Bahn-Eingang stehen. Fremde Menschen träumen sich mit mir gemeinsam in Chaträumen ihre Zukunft zusammen. Wir überkleben unser tristes Dasein und verpassen währenddessen den Sommer. Wobei der Sommer noch gar nicht da ist, es sind nur die Temperaturen, die uns glauben lassen, es wäre Juli. Und das im Mai.

Meine Mutter möchte die schönen Möbel, welche seit Jahren im Keller vor sich hin stauben, wegwerfen, droht sie. Was sie damit meint, ist, dass ich sie anscheinend doch nicht brauchen werde. Mutter, nein. Ich werde diese Möbel noch genauso brauchen, wie die Hosen in Größe 38, von denen ich noch zwei aufbewahrt habe. Zumindest soll sie den Tisch nicht wegwerfen, eher gebe ich noch die Hosen in die Altkleidersammlung.

Es ist die Gleichgültigkeit, sagte er und die ist am schlimmsten, stimmte ich zu.